Johanna - *+ 17.03.2007
Die Zeit im Krankenhaus war schlimm. Neben mir lag eine Frau, die Brustkrebs hatte. Sie war sehr nett und eigentlich ging es ihr doch viel schlechter als mir - aber das interessierte mich nicht. ICH hatte mein BABY verloren! Ich dachte, mein Herz müsse zerreißen!
Meine Freundinnen besuchten mich, meine Mutter flog aus Spanien an. Alles war lieb und nett von ihnen - doch mit seiner Trauer ist man letztendlich immer allein...

Ein Zeichen von oben...
Eine ganz merkwürdige Geschichte erzählte mir mein Mann ein paar Tage später.
Er hatte sich einige Wochen zuvor eine sehr teure Armbanduhr gekauft. Eine, die man seinem Sohn vererbt und eigentlich nie kaputt geht.
Am 17.3.2007 bekam ich um ca. 17.15/17.30 Uhr einen weiteren Ultraschall, bei dem mir die Ärztin mitteilte, dass Johannas Herz nicht mehr schlagen würde.
Etwa zu dieser Zeit blieb die neue Uhr meines Mannes stehen. Auch der Uhrmacher konnte nicht feststellen, warum. Wir wissen es...

Wie konnte das passieren?
Es stellte sich schon am Tag der Geburt die Frage: wie konnte das passieren? Wie konnten sich die Bakterien so schnell verbreiten? Und wo konnten die Bakterien eindringen?
Es gibt 2 Meinungen dazu:
1. Die Bakterien kamen durch die Scheide und sind dort so schnell gewachsen und haben sich ausgebreitet, dass sie die Fruchtblase erreichten und diese infiziert haben.
2. Die Bakterien kamen durch den Stich bei der Fruchtwasseruntersuchung in die Fruchtblase. Dieses ist für mich die plausibelste Antwort. Ich habe im Laufe der Zeit 7 Ärzte befragt, was sie dazu meinen. 3 meinen, es könne nicht die Fruchtwasseruntersuchung gewesen sein, weil die zu lange her war (2,5 Wochen). Die anderen meinen, dass sich Bakterien sehr wohl nach so langer Zeit erst ausbreiten können.
Egal, was es war: meinem Kind hilft es nicht mehr. Aber ich habe oft noch Gedanken, ob ich es hätte abwenden können....

Nachtrag, Januar 2010:
Eine weitere 3. Meinung, die ein Frauenarzt im Dezember 2009 äußerte, ist diese:
schwangere Frauen, die ein Kindergartenkind zu Hause haben, bekommen öfter Infektionen, weil das 1. Kind Bakterien vom Kindergarten mit nach Hause schleppt. Er konnte das zumindest von seiner Praxis bestätigen. Da damals tatsächlich einige Infektionen im Kindergarten grassierten, mein Sohn fast jede Nacht bei uns im Bett schlief, ich auch Halsschmerzen hatte und die eingedrungende Bakterie hauptsächlich im Rachenbereich zu finden ist, bin ich heute der Ansicht, dass das am Wahrscheinlichsten ist. Natürlich ist der Ausgang solch einer Infektion nicht immer so dramatisch wie bei mir. Dies war einfach Schicksal...



Heute
Das alles ist nun fast 2 Jahre her. 2 Jahre, die geprägt waren durch Besuche bei Psychotherapeuten, Heilpraktikern, Kinesiologen, Kinderwunsch-
Centren, 7 Hormontherapien, eine abgebrochene IVF, Kämpfe mit der privaten Krankenversicherung DKV wegen der Kostenübernahme, Anwaltsbesuchen, Hoffnung,viel Tränen, Hoffnungslosigkeit, Freude an meinem Sohn, Dankbarkeit, dass es ihn gibt, Verständnislosigkeit gegenüber meinem Mann, weil er ganz anders trauert und dennoch Respekt gegenüber meinem Mann, weil er anders trauert – und nun habe ich beschlossen, meinen Kinderwunsch abzuschließen. Ich werde im April 42 und will es nicht weiter auf Biegen und Brechen versuchen. Tief in meinem Herzen hatte ich gehofft, den Verlust von Johanna besser zu verkraften, wenn ich noch ein weiteres Kind bekomme. Dass dem nicht so ist, hört und liest man zwar immer wieder, aber dennoch denkt und hofft man das.
All meine liebevoll aufgehobenen Baby- und Kindersachen, Kinderwagen, Schwangerschaftskleidung etc. habe ich Ende letzten Jahres einem wohltätigen Verein gespendet. Somit habe ich damit wenigstens noch anderen geholfen.

Was bleibt ist die große Freude über mein erstes Kind, das ich über alles liebe und eine Traurigkeit, die irgendwie immer da ist, weil er eine kleine Schwester hätte haben können. Warum es nicht sein sollte, werden wir wohl nie erfahren.

Unvergessen
Was ich ganz besonders schlimm finde, ist das vergessen. Alle Menschen, die um einen herum leben schweigen, tun so, als sei nichts passiert. Natürlich weiß ich, dass sie nur deshalb nicht davon sprechen, um mir nicht weh zu tun. Aber genau das Gegenteil ist der Fall! Es fühlt sich an, als wäre Johanna von allen vergessen und dass niemand mehr an sie denkt. Das tut weh. Aber ich will auch keinem einen Vorwurf machen. Bevor mir das passiert ist, hätte ich wahrscheinlich genauso reagiert, wie jetzt mein ganzes Umfeld. Man weiß halt nicht, als Nichtbetroffener, wie man mit so einer Situation umgehen soll. Ich denke jeden Tag an Johanna, wenn es auch weniger wird und manchmal nur einige kurze Gedanken sind. Und ich wünschte mir, dass dies auch andere tun und darüber mit mir sprechen.
Es gibt so viele Situationen, in denen sie präsent ist. Erst gestern fragte mich jemand,
wieviele Kinder ich habe....sofort denke ich auch dann an Johanna, bevor ich antworte
"Ich habe einen Sohn."
Ich will nicht, dass sie vergessen wird und so getan wird, als hätte sie es nicht gegeben.
Unserem Sohn haben wir damals die  2,5 Wochen nach der Fruchtwasseruntersuchung jeden
Tag von seiner Schwester erzählt, die bald da sein wird. Als Johanna dann nicht mehr da war, mussten wir ihm auch das irgendwie erklären. Die Geschichte, dass sie nun ein kleiner Stern am Himmel ist, gefiel uns am besten. Doch er fragt auch manchmal genauer nach und dann erkläre ich ihm, dass sie einfach zu früh heraus wollte und dafür noch zu klein war. Oft schaut er
abends in den Sternenhimmel und sagt dann: "Schau mal, da oben hinter diesem Stern wohnt meine Schwester". Ich finde es sehr wichtig, dass dieser Teil unseres Lebens nicht vor ihm totgeschwiegen wird und so Johanna immer in unseren Herzen ist.

Kindermund
Sehr nett war auch diese Geschichte:
Wir fuhren abends mit dem Auto los in unseren Sommerurlaub. Wir waren schon fast am Brenner, der Sternenhimmel über uns, da sagt unser Sohn von hinten zu uns:
"Guckt mal, der Stern da oben! Der ist dauernd neben uns. Das ist bestimmt Johanna,
die fährt mit in den Urlaub!"



Ich liebe Dich, mein Kind, werde Dich nie vergessen
und stets in meinem Herzen tragen!



17. März 2009
Johannas 2. Geburtstag
Company Name
Webseite
zur Verfügung gestellt von Vistaprint