Johanna - *+ 17.03.2007
Diese Seiten sind unserem Sternenkind

  Johanna

gewidmet, die am 17. März 2007 in der 18. SSW still geboren wurde.



Dies ist unsere Geschichte, die wie folgt begann:

Seit 1993 bin ich verheiratet. Schon immer waren eigene Kinder, eine Familie mein Lebenstraum. Da wir damals noch relativ jung waren, habe ich erstmal studiert und in meinem Beruf gearbeitet. Als ich dann 30 wurde, tickte langsam die Uhr...ich setzte die Pille ab. Aber es passierte nichts. Ich rannte von Arzt zu Arzt, bis dann bei meinem Mann eine Prostataentzündung festgestellt wurde. Er nahm Tabletten - aber es passierte immer noch nichts. Dann folgte zunächst ein einjähriger Auslandsaufenthalt - dort waren wir zwar auch einmal beim Arzt und mein Mann machte ein weiteres Spermiogramm, aber ich flog immer noch zwischen unserer alten Heimat und der neuen hin- und her, da ich meinen alten Job noch hatte und in der neuen Stadt noch keinen. Kurzum: es war stressig und wir verfolgten den Kinderwunsch nicht intensiv genug.
Zurück in Deutschland empfahl uns der Urologe meines Mannes das 1. Mal ein Kinderwunsch Centrum. So schlecht sei das Spermiogramm nicht, meinte er.
Wir wurden also wieder mal untersucht und es wurde uns vorgeschlagen bei mir eine Bauchspiegelung machen zu lassen, um zu sehen, ob da alles o.k. ist. Ich war nicht begeistert: hatte ich doch eine normale Regel, regelmäßig, die Hormone stimmten und Eisprünge waren auch immer im Ultraschall zu sehen. Nun gut, ich ließ mich drauf ein und siehe da: ich hatte Endometriose, Grad IV. Befall auch in der Blase! Die Diagnose haute mich um. Während der OP hatten sie bis auf den Befall in der Blase alles entfernt und mein Arzt meinte: "Jetzt sieht es sehr gut aus!"
Und tatsächlich: 6 (!) Wochen später war ich spontan schwanger! Nach 5 Jahren probieren hatte endlich ein Arzt den "Fehler" gefunden und beheben können. Wir waren superglücklich! Um sicher zu gehen und aufgrund meines Alters, ließ ich eine Fruchtwasseruntersuchung machen. Alles war OK!
Am 1.8.2003 kam unser Sohn gesund zur Welt.

Kurz nach der Geburt war mir schon klar, nicht lange mit einem 2. Kind zu warten. Endometriose ist chronisch und wächst nach. Also wollte ich es gleich wieder drauf anlegen.
Es passierte aber mal wieder nichts. Die ersten 2-3 Jahre war ich allerdings genug beschäftigt mit unserem Schatz, dass ich nicht all zuviel Beachtung darauf legte.
Dann, im Jahre 2006, ließ ich noch eine weitere Bauchspiegelung durchführen, in der auch die Endometriose aus der Blase entfernt wurde.Ich hatte zwar keine Beschwerden, aber ich wollte auf Nummer sicher gehen, dass nichts mehr stören kann und außerdem sagte man mir, dass die Endometriose in der Blase später mal nachwachsen und Probleme machen kann. Das wollte ich ausschließen und wurde im April 2006 operiert.
Wieder passierte aber leider nichts....Mein Arzt schlug vor, mit einer Hormontherapie zu beginnen. Mittlerweile war ich 39 und die Zeit fing an zu drängen.
Im 2. Zyklus hat es dann schon geklappt! Überglücklich hielt ich den positiven Schwanger-schaftstest in den Händen!
Wieder hieß es warten bis zur Fruchtwasseruntersuchung, die ich ohne groß abzuwägen natürlich machen lassen wollte. Immerhin war ich schon 39 und auch meine Ärztin riet mir dazu. Ich traute mich gar nicht zu freuen, bevor ich nicht wusste, ob das Baby gesund ist.
Ende Februar 2007 war es dann soweit. Einen Tag später die erlösende Nachricht: es ist gesund und wird ein MÄDCHEN!! Was war das für eine Freude! Ich heulte vor Glück und die ganze Anspannung der letzten Wochen fiel ab...jetzt konnte ich mich so richtig aufs schwanger sein freuen! Ich kaufte neue Schwangerschaftssachen und Bücher und erzählte überall die freudige Nachricht.






Am 12.3.07 hatte ich eine Vorsorgeuntersuchung bei meiner Frauenärztin. Alles war o.k. bis auf einen Pilz, den ich mir eingefangen hatte. Nicht weiter schlimm, hieß es. Am 14.3. bekam ich gegen nachmittag Fieber. Ich googelte sofort, ob das schlimm ist, aber es hieß da nur, dass Fieber während der  Schwangerschaft nicht weiter besorgniserregend ist. Ich schob die Ursache auf eine Grippe, da ich auch Halsschmerzen hatte. Dennoch hielt ich es für besser, meine Ärztin aufzusuchen. Sie untersuchte mich und fand Bakterien vor. Es sei gut, dass ich sofort gekommen bin, meinte sie noch, dann könne man das in den Griff bekommen. Ich bekam ein Zäpfchen gegen die Bakterien und Tabletten verschrieben. Damit machte ich mich nach Hause, legte mich ins Bett und ging früh schlafen.
Morgens gegen 5.00 wachte ich mit wehenartigen Bauchschmerzen auf. Der Bauch wurde hart und wurde wieder weich. Ich hatte schon vorher von "Übungswehen" gehört, die ich allerdings bei der 1. Schwangerschaft nicht hatte und dachte noch, dass das aber echt schmerzhaft ist.
Ich schlief wieder ein und nahm mir vor, meine Ärztin privat anzurufen.
Gegen 8.00 stand ich auf. Die Schmerzen waren etwas stärker, aber ich konnte nicht genau einordnen, ob es Verdauungsprobleme waren war oder doch vom Unterleib her kam. Ich duschte mich und beim abtrocknen lief mir das Wasser am Bein entlang: die Fruchtblase war geplatzt! Ich rief nach meinem Mann, der noch schlief und er rief gleich den Notarzt. Ich war zwar geschockt, dachte aber immer noch positiv. Hatte ich doch schon öfter gelesen, dass Fruchtwasser sich von selber wiederauffüllen kann etc. Ich dachte noch gar nicht daran, dass
ich unsere Johanna verlieren könnte. Uns konnte "sowas" doch nicht passieren!
Ich legte mich gleich hin und wartete auf den Notarzt. Dabei spürte ich, wie immer wieder Wasser bzw. Blut, wie ich später merkte, abging. Unser Sohn war ganz verwirrt und fand es erstmal ganz spannend, als der Notarzt mit Blaulicht kam.
Wir erzählten kurz, was passiert war und sie fuhren mich in die Klinik. Als ich aufstand, um mich auf die Liege zu legen, war meine ganze Hose hinten voll Blut, erzählte mir mein Mann später.
Um 9.00 kamen wir in der Klinik an, ich wurde untersucht und man teilte mir kurz mit, dass man nichts machen könne außer abwarten. Das Baby sei noch zu klein, um es am Leben zu erhalten und wenn die Natur nicht sich selbst helfe, also die Blutung nicht aufhöre, dann sehe
es schlecht aus. Noch immer lag ich da und wollte es nicht wahr haben....
Ich hatte mich schon früher damit auseinandergesetzt, was wäre, wenn die Fruchtwasseruntersuchung zu dem Ergebnis käme, das Kind hat was. Ich hätte es aller Wahrscheinlichkeit nicht bekommen wollen und ich wusste, dass man es dann nicht "wegmachen" lassen kann, sondern tot gebären muss. Nach der 15. Woche ist das nicht anders möglich und schonender für den Körper. Also war mir schnell klar: du musst jetzt demnächst dein Kind tot zur Welt bringen! Ich dachte, ich sei in einem schlechten Film! Mein Mann kam gar nicht damit klar. Er wusste dies nicht und war total entsetzt, dass man das Baby nicht
irgendwie rausholen konnte.
11 Stunden sollten vergehen, in denen eine liebe Freundin bei mir war, mein Mann, kurze Zeit auch unser Sohn, ich viel weinte, ich gewickelt wurde, weil es nicht aufhörte zu bluten. Man gab mir dann ein Wehenmittel und um 20.17 Uhr wurde endlich unsere Johanna still geboren. Mein Mann war bei unserem Sohn zu Hause und ich allein mit der sehr netten Hebamme. So klein und winzig war sie. 19 cm groß und 180 gr leicht. Alles war dran. Winzigkleine Finger und Zehen....mein Mädchen! Ich behielt sie einige Zeit in einem Körbchen im Arm und betrachtete sie. Dann wurde ich in den OP gebracht.

Danach war mein Mann da und wir beide weinten.




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